Predigtgedanken von Pfarrer Felix Hulla zum Sonntag "Exaudi" (24.05.2020)

Predigttext zum Sonntag Exaudi: Jesaja 31, 31-34:
 
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

„Siehe, es kommt die Zeit“ - in diesen Worten steckt ein großes Versprechen.

Es klingt fast wie ein „Mach Dir keine Sorgen, es wir in jedem Fall alles gut.“ Und alles gut, so verspricht es unser Text weiter, alles gut soll es ja werden. Und zwar nicht, weil irgendwelche Kleinigkeiten zurechtgerückt werden, hier und da eine Ungerechtigkeit beseitigt. Alles gut wird, weil etwas völlig Neues kommt. Abschied von dem Alten, Wiedersehen des Neuen! Ein Neuer Bund wird geschlossen, und das bedeutet: Gott gibt sein Wort in unser Herz und unseren Sinn.

Hinter der göttlichen Zusage, dass alles gut werden wird, steht also nicht das Versprechen von blühenden Landschaften, gerechter Güterverteilung, Rettung des Klimas, und nein, auch nicht die Erfindung eines Impfstoffs. Um all das müssen wir uns weiter selbst kümmern. Aber die Zeit wird kommen, in der uns das Wort Gottes in Herz und Sinn eingeschrieben ist. Das Herz ist in der Welt des Alten Testaments das Sinnesorgan, das für das Verstehen, das Erkennen zuständig ist. Was uns hier versprochen ist, ist also eine tiefe Einsicht, ein Verstehen.  Und wenn wir das Pfingstwunder bedenken, das wir in einer Woche feiern, dann ist es nicht nur ein Verstehen, sondern auch ein Verstanden werden, ein uns verständlich machen können.

Jede und jeder von uns hat sicherlich einmal erfahren, wie gut es tut, von jemand anderem wirklich verstanden zu werden, aber auch, wie befreiend es sein kann, wenn man die Motive und Gefühle eines geliebten Menschen endlich versteht.  „Siehe, es kommt die Zeit“, so spricht nun Gott der Herr, Worte, die uns hineingesprochen werden in diese Zeit des Wartens der neun Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Es kommt die Zeit, in der uns das Wort Gottes in die Herzen gegeben ist, in das wahre und tiefe Verstehen. Martin Luther hat diese versprochene Zeit, die Zeit des Verstehens das Licht der Gnade genannt, unter der wir dann alle stehen werden. Frei zu sein von der aufrüttelnden Frage, ob der Wille Gottes ein gerechter ist, warum unfassbares Leid geschieht. Frei zu sein aber auch von dem Wunsch, sich all das zurechtzuerklären. Frei zu sein davon, denjenigen zu tadeln, der allzu hartnäckig danach fragt - und damit doch nur die eigenen Unsicherheiten aufzudecken droht.

Von diesen Unsicherheiten und Fragen frei zu sein und wirklich zu verstehen, dass ist nur durch Gottes Gnade möglich, dessen war sich Luther sicher. Und in diesem Licht der Gnade, das ist die Zeit, die kommen wird, in diesem Licht der Gnade können wir uns völlig selbstverständlich zu eigen machen, was der Wille Gottes ist. Wir können dies in wahrer Gemeinschaft tun, denn bei diesem Geschenk des Verstehens gibt es kein älter oder jünger, kleiner oder größer, klüger oder dümmer. Dieser neue Bund wird alles neu machen und er wird alles wunderbar machen.

 

Und siehe, es kommt diese Zeit.

 

Amen. 

Predigtgedanken von Pfarrerin Astrid Körner zum Sonntag "Rogate" (17.05.2020)

 

Liebe Gemeinde! 


Kaum jemand, der diesen Text nicht kennt. Kaum jemand, der das Vaterunser nicht beten kann. Zumindest mitbeten. Oder nur mitsprechen?  
Ich kenne ein Vaterunser, das anders klingt: 
 
Vater unser, nimm zurück deinen Namen

Wir wagen nicht Kinder zu sein […]

Vater unser, wir geben dir zurück deinen Namen

Spiel weiter den Vater im kinderlosen luftleeren Himmel. 
 
Oft braucht es die Irritation, um das Gewohnte neu zu sehen. Um das Besondere im Normalen, im Üblichen zu erkennen. So geht es mir hier mit dem Vaterunser. Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name… … so hat uns Jesus das Gebet gelehrt. Und Rose Ausländer verarbeitet dieses Gebet in anderer Weise: 
 
Vater unser, nimm zurück deinen Namen

Wir wagen nicht Kinder zu sein. 
 
Da spricht gebrochenes Vertrauen. Existentielle Enttäuschung. Ent-täuschung. Die Täuschung ist vorbei. „Spiel weiter den Vater!“ Das ist die Täuschung. Ein unglaublicher Verlust an Gottvertrauen bekommt hier Sprache. Und nicht zufällig wählt Rose Ausländer das Vaterunser für ihre große Absage an Gott. Denn im Vaterunser lehrt uns Jesus nicht einfach ein Gebet zu sprechen, sondern er lehrt uns, was  beten heißt. Er lehrt uns die Welt als eine Welt mit Gott zu verstehen. Er lehrt uns, wie wir uns selbst verstehen können.   Vaterunser, wir wagen nicht Kinder zu sein.  Da frage ich mich zuallererst:  Ist die Beziehung zu Gott ein Wagnis?  Ein Wagnis im Sinne eines Abenteuers, eines mutigen Schrittes, eines verantwortlichen Aktes?  Ich denke ja, und ich denke auch, dass Jesus uns das deutlich machen wollte.  
 
Jesu Rede über das Beten ist Teil seiner Bergpredigt. Das Vaterunser gehört zu jener Predigt Jesu, in der er in beispielloser Weise den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit aufzeigt. Eine Gerechtigkeit, die alle üblichen Vorstellungen sprengt. Eine Positionierung für die Welt und auf der Seite der Schwachen, die alles davor Gekannte durchbricht. Denn es ist eine Gerechtigkeit, die die Sünder gerecht macht. Die keinen Unterschied macht, ob jemand Freund oder Feind ist. In der Bergpredigt sagt uns Jesus eines ganz deutlich: Ein Leben mit Gott kann sich nicht der Welt entheben. Ein Leben vor und mit Gott ist kein Fliehen vor der Not der Welt. Auch kein Fliehen vor den Sündern der Welt. Ein Leben mit Gott ist radikales In-der-Welt-sein. Und noch mehr: Ein Leben mit Gott ist nur möglich, als ein Dasein füreinander.  

 

Jesus sagt in seiner Bergpredigt:  Selig sind die, die Leid tragen und selig sind die, die hungert und dürstet. Dabei geht es ja nicht darum, dass Leid, Hunger, und Durst und sämtliche körperlichen und psychischen Entbehrungen per se heilbringend sind. Sondern Jesus nachzufolgen bedeutet viel Verzicht. Seine Jünger haben nichts mehr besessen, ihre Heimat und Familie verlassen, sind mitgezogen und haben alles aufgegeben. Sich auf einen ungewissen Weg eingelassen. Das ist ein Wagnis. Im Vertrauen auf Gott alle Sicherheiten in der Welt aufzugeben und eine neue 
Perspektive einzunehmen. Die ganz anders ist, als wir das hier auf der Erde gewohnt sind. Wo wir doch gewohnt sind, dass der Stärkste gewinnt. Dass Rache und Vergeltung legitim sind. Auge um Auge, Zahn um Zahn… Jesus aber zeigt uns auf, wie Gottes Reich aussieht. Und da geht es plötzlich um die Schwachen einer Gesellschaft. Und um die Schwachen vor Gott. Dort geht es nicht um persönlichen Sieg und ausgleichende Gerechtigkeit. Sondern um eine Solidarität mit den Schwachen, vielleicht auch um das Ja! zur Schwäche, auch zur eigenen. Und es geht um eine zuvorkommende Gerechtigkeit. Nicht Vergeltung, sondern Vergebung markiert den Weg in der Nachfolge Jesu. Das ist schon eine Herausforderung!!  

 

Und im Vaterunser gibt es nur eine einzige Zusage, die wir selbst machen. Und das ist: „auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Das ist auch das was Jesus nach dem Vaterunser noch als die wichtigste Botschaft herausdestilliert: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ Auf Gott vertrauen geht nicht ohne meine Mitmenschen. Im Vaterunser legen wir uns nicht einfach nur selbst in Gottes Hand, sondern wir legen uns gemeinsam in Gottes Hand. Beten ist Beten als Gemeinschaft und für die Gemeinschaft.  

 

So heißt es auch „Vaterunser“ und nicht „Vatermeiner“. Das ganze Gebet ist eines aus der Wir-Perspektive. Obwohl Jesus doch detailliert ausführt: Ihr sollt nicht vor anderen beten, nicht in den Synagogen, an den Straßenecken, da wo euch die Leute sehen. Sondern im stillen Kämmerlein. Auch wenn das jetzt seltsam wirkt, sprechen wir doch dann im Plural: Vaterunser…. So macht doch gerade das deutlich, wie sehr es auf den Geist der Gemeinschaft ankommt und nicht auf die Bühne der Gemeinschaft. Beten hat nichts mit Zurschaustellen zu tun. Nichts mit Demonstrieren. Und auf öffentlichen Plätzen ist die Gefahr groß, dass das Gebet zu einer hohlen Litanei verkommt, zum äußeren Beweis eines frommen Daseins, zu Selbstvergewisserung als gottgläubiger Mensch. Aber auch ganz allein kann das Beten zur frommen Übung werden, eine Art Pensum, das erfüllt werden muss. Das ist dann auch ein Akt der Demonstration. Nur stehe ich dann auf meiner eigenen kleinen Bühne vor Gott. Aber das ist nicht Beten, wie Jesus es in seiner Bergpredigt lehrt. Wir brauchen gar nicht auf uns sehen. Es geht nicht um eine äußere Leistung.  

 

Paul Tillich hat es mit den Worten beschrieben: Beten ist der Pulsschlag unseres Lebens in Gott.

Der Pulsschlag unseres Lebens in Gott. Ich denke, nur das will uns Jesus eröffnen. Nicht selber die Welt Begreifen wollen und mit bestimmten Wünschen an Gott herantreten, sondern:  den Pulsschlag des Lebens ins Gott spüren,  den Geist Gottes atmen und sich ergreifen lassen von der Kraft Gottes,  den Pulsschlag der Welt als den meinen spüren,  und sich selbst in dieser Welt, als verantwortungsvolles Mitglied einer Gemeinschaft zu sehen, die sich als Gottes Kinder versteht.  
 
Was heißt es „Gottes Kinder“ zu sein? Kinder verlassen sich auf ihre Eltern. Sie vertrauen, dass die Eltern das Beste wollen. Eltern sind die einzige Möglichkeit und die einzige Wirklichkeit für ein Kind.  Kinder leben nicht nur in einer Beziehung zu ihren Eltern, sondern ganz und gar bezogen auf ihre Eltern. Bezogen auf ihre Eltern in dieser Welt. Und das ermöglicht uns das Vaterunser. Dass wir uns ganz und gar auf Gott beziehen, ihm vertrauen, ihm das Beste zu trauen. Das Beste muss aber noch lange nicht gut sein. Wir trauen ihm aber auch das Gute an sich zu.  
 
Mit dem Vaterunser eröffnet uns Jesus einen Raum, die Spannung der Wirklichkeit auszuhalten. Ihr nicht ausweichen, sie nicht fürchten, nicht resignieren und auch nicht gleichgültig werden.  In der Blickrichtung auf Gott hin, das ist die Bergpredigt (!) in ihrem Wesen, werden wir immer die Welt vorfinden. Die Welt als eine von Gott getragene.  Wer sich für die Nachfolge Jesu entscheidet, der entscheidet sich radikal für die Menschen und für das Leben in dieser Welt. Eine Welt als die, die sie ist, und nicht nur als die, die sie sein könnte. Das braucht schon auch Mut und Abenteuerlust. Das braucht Kraft und Visionen. Das ist ein Wagnis. Aber Jesus macht uns Mut, und ruft uns zum Abenteuer und schenkt uns seine Visionen vom Reich Gottes und durchdringt uns mit seiner Kraft. 
 
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name … und, ja, wir wagen es, deine Kinder zu sein. 
 
Amen 

 

Predigtgedanken von Pfarrer Felix Hulla zum Sonntag "Kantate" (10.05.2020)

Predigttext des Sonntags: 2. Buch Chronik 5,2-5.12-14:

 

2 Damals versammelte Salomo die Ältesten von Israel und alle Häupter der Stämme, die Fürsten der Vaterhäuser der Kinder Israels in Jerusalem, um die Lade des Bundes des Herrn hinaufzubringen aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und alle Männer von Israel versammelten sich zum König an dem Fest, das heißt im siebten Monat.

4 Und es kamen alle Ältesten von Israel; und die Leviten trugen die Lade,

5 und sie brachten die Lade hinauf, samt der Stiftshütte und allen heiligen Geräten, die in der Stiftshütte waren. Das trugen die Priester [und] Leviten hinauf.

12 und als auch die Leviten, alle Sänger, Asaph, Heman, Jeduthun und ihre Söhne und ihre Brüder, in weißes Leinen gekleidet, dastanden mit Zimbeln, Harfen und Lauten östlich vom Altar, und bei ihnen 120 Priester, die auf Trompeten bliesen —

13 da war es, wie wenn die, welche die Trompeten bliesen und sangen, nur eine Stimme hören ließen, um den Herrn zu loben und ihm zu danken. Und als sie die Stimme erhoben mit Trompeten, Zimbeln, ja, mit Musikinstrumenten und mit dem Lob des Herrn, dass er gütig ist und seine Gnade ewig währt, da wurde das Haus, das Haus des Herrn, mit einer Wolke erfüllt,

14 sodass die Priester wegen der Wolke nicht hinzutreten konnten, um ihren Dienst zu verrichten, denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

 

Liebe Gemeinde!

Zwei Anlässe machen den heutigen Sonntag besonders: 1. es ist Muttertag, und 2. wir feiern den 4. Sonntag nach Ostern namens Kantate. Es gäbe also reichlich Anlass, erst recht feierlich zu singen, wo doch dieser Sonntag mit seinem Namen auch dazu ermutigt: Kantate! Singt! Doch, auch wenn wir jetzt gemeinsam in unserer schönen Kirche im Stadtpark sitzen würden, wir sollen nicht! Das Stichwort lautet: Aerosole. Während wir singen, werden zu viele Viren in die Luft geschleudert, die Ansteckungsgefahr erhöht sich deutlich, damit auch die Möglichkeit, am Corona-Virus zu erkranken.

Dass die Kirchen –unter sehr restriktiven Regeln seitens der Regierung – überhaupt wieder so etwas wie eine Andeutung eines Gottesdienstes ab 17. Mai feiern können, liegt auch daran, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher in den vergangenen Wochen diszipliniert an die Empfehlungen und Vorschriften des Lockdowns gehalten haben. Das wollen wir seitens der Pfarrgemeinde Villach-Stadtpark natürlich nicht durchkreuzen.

Darum werden wir am nächsten Sonntag ab 9:30 Uhr für die ersten Wochen zu einem besonderen, corona-tauglichen und kirchenwürdigen „Gottesdienst-Format“, nämlich zu einem Gottesdienst-Weg begleitet durch Orgelmusik und Stille in unsere Kirche, einladen. Pfarrerin Astrid Körner schreibt in unserer Kundmachung an die Gemeinde: „Die Variante des Gottesdienstweges durch den Kirchenraum ist nur eine Übergangsform, die einem guten Willen und einer lebendigen Vision davon, was Kirche ist und was sie nicht sein darf, entsprungen ist. Ab Juni ergeben sich vielleicht schon andere Richtlinien und Perspektiven.“

Als in Jerusalem die Bundeslade in den Tempel überführt wird, gab es keine Einschränkungen. Israel feiert – und zwar ausgiebig. Und Israel singt! Laut, mit allem, was an Stimmen und Instrumenten vorhanden ist. Und sie haben allen Grund dazu: Die Lade, in der die beiden Tontafeln aufbewahrt wurden, auf denen die 10 Gebote aufgezeichnet und die von Moses dem Volk Israel überbracht worden waren, nimmt ihren Platz im Tempel, im Allerheiligsten ein. Die Überführung ist ein besonderer, in seiner Bedeutung kaum zu überschätzender historischer Akt. Mit der Bundeslade verband man die große Tradition der Wüstenwanderung, aber auch die Landnahme, militärische Erfolge und vor allem ein Zeichen der Präsenz Gottes unter den Israeliten. Sie an einem Ort zu wissen hieß, Gott einen Platz auf Erden zuzuweisen. Für die Machtsicherung Sauls und seiner Nachfolger und die Zentralisierung des Heiligtums, gebunden an den Tempel in Jerusalem und damit für die Staatwerdung Israels war dies ein Schlüssel zum Erfolg. Und für das Volk gab es nun scheinbar einen verlässlichen Ort, wo Gott zu finden, zumindest aber anzubeten war. Nicht wenige, besonders Propheten, hatten sich wohl gegen ein Königtum und einen Tempel ausgesprochen. Doch wie das so ist: Manchmal wird man zu Entscheidungen getrieben, von denen man vielleicht gar nicht so überzeugt ist. Insofern war vielleicht gar nicht allen zum Feiern und zum Singen zumute und haben dem ausgelassenen Treiben mit ambivalenten Gefühlen zugeschaut.

Und wenn ich ehrlich bin: ich bin ähnlich zwiegespalten. Denn so froh wir einerseits sein können, dass wir uns ab nächsten Sonntag wieder als Gemeinschaft vor und im Kirchenraum wenigstens einfinden dürfen, so weiß ich doch auch um die Menschen, die dieses Privileg überhaupt nicht nutzen können oder wollen, weil sie sich um ihre eigene oder die Gesundheit ihrer Angehörigen zu große Sorgen machen müssen. So sollten wir in den Beschränkungen, die wir mit dieser Form des Gottesdienstes erleben und die uns sicher befremdlich sind, eine Art Solidaritätsbekundung sehen mit jenen, die nicht dabei sein werden.

Am heutigen Sonntag Kantate gerade nicht gemeinsam zu singen ist ja vielleicht sogar die angemessenste Form, wie wir die Lockerungen für die Kirchen begehen:

in Freude darüber, dass wir wieder persönlich einander unter dem Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ab dem 17. Mai begegnen werden, aber auch in dem Bewusstsein, dass dies immer noch nicht für alle möglich ist.

Auf jeden Fall tun wir dies in der Hoffnung, dass Kantate 2021 wieder so gefeiert werden kann, wie 2019: Mit allen, die dabei sein wollen, mit allem, was wir zum Singen und Musizieren aufzubieten haben. Und aus vollem Herzen! Amen.

 

Lasst uns beten:

Barmherziger Gott,

an diesem Sonntag sollen wir singen,

um dich zu loben und zu preisen

um das Leben zu feiern.

Und auch unsere Mütter hochleben zu lassen.

Doch wir dürfen nicht.

Die Gefahr durch das Corona-Virus ist noch zu groß,

als dass wir ohne Beschränkungen und Regeln

zusammenkommen dürfen.

Darum feiern wir ohne Gesang,

um dem Leben zu dienen.

Auch wenn uns dies befremdlich erscheint,

wissen wir doch,

dass du dennoch mitten unter uns bist

und unsere Gemeinschaft segnest.

Denn du bist mitten unter uns,

auch wenn wir uns in ungewohnter Form zusammenfinden,

um miteinander zu feiern.

So bitten wir dich,

dass du uns trotz manch Befremdlichem Gemeinschaft erfahren lässt

und sie auch jene zu spüren bekommen,

die dies nicht mitlesen oder nächsten Sonntag zu uns kommen können.

Das bitten wir dich,

der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist

lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Predigtgedanken von Lektor Julian Jöri zum Sonntag "Jubilate" (03.05.2020)

 

Liebe Gemeinde!

 

Der heutige Sonntag trägt den Namen „Jubilate“ – das heißt auf Deutsch „freut euch“. Und tatsächlich scheinen wir uns an diesem Wochenende freuen zu können, denn Österreich ist im Umbruch: Die Ausgangsbeschränkungen wurden aufgehoben, die Zahl der Erkrankten sinkt und in den Kirchen dürfen bald wieder Gottesdienste stattfinden. Haben wir also Grund zum Feiern? Können wir die Sorgen der vergangenen Wochen hinter uns lassen und zuversichtlich in die Zukunft schauen?

 

Noch sind die Wunden frisch. Noch scheinen wir nicht ganz in der „Normalität“ angekommen zu sein, denn die Spuren der Krise sitzen tief: Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit machen vielen Menschen zu schaffen. Besondere Feiertage konnten dieses Jahr nicht begangen werden und auch der 1. Mai ging ohne große Feierlichkeiten an uns vorüber.

 

„Jubilate! Freut euch!“ – dazu ermuntert uns der heutige Sonntag. Doch das ist vielleicht leichter gesagt als getan. Sollten wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und uns darauf freuen, dass die Welt wieder auferstehen wird aus dem Stillstand?

 

Angesichts der weltweiten Entwicklungen müssen wir uns vielleicht eingestehen: Ganz ALLEIN schaffen wir es vermutlich nicht, die derzeitige Krise zu bewältigen. Doch wenn Menschen zusammenhalten, dann können Krisen leichter überwunden werden; dann kann der Eine für den Anderen zum Segen werden; dann bleibt niemand zurück.

Zusammenhalt ist wohl gerade in diesen Tagen des Umbruchs besonders wichtig, denn Unternehmen bangen um ihre Zukunft, Arbeitnehmer sorgen sich um ihre Jobs und auch die weltweite Wirtschaft ist angeschlagen.

Was soll aus unseren lokalen Geschäften, Händlern und Bauern werden, wenn jeder Mensch und jedes Unternehmen plötzlich sein „eigenes Ding“ macht? Sollten wir nicht vielmehr einen GEMEINSAMEN Weg in die Zukunft gehen?

 

Um den Zusammenhalt geht es auch im Predigttext für den heutigen Sonntag, denn Jesus Christus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh. 15,5)

 

Das Bild vom Weinstock und den Reben zeigt mir, wie wichtig Zusammenhalt ist: Ohne den Weinstock, ohne die Gemeinschaft, verdorrt die einzelne Rebe und bringt keine Frucht. Doch wenn sich die Rebe zum Stamm zugehörig fühlt und darin aufgeht, dann wird sie viel Frucht bringen und zu einer guten Ernte führen. Jesus spricht uns im heutigen Predigttext zu, dass er selbst der Weinstock sei und wir die dazugehörigen Reben…

 

Diese Metapher empfinde ich als besonders eindrucksvoll! Denn der Gemeinschaftsaspekt scheint nicht nur für eine Gesellschaft überlebenswichtig zu sein, sondern eben auch für den christlichen Glauben. Jesus möchte mit uns verbunden sein – wie der Weinstock mit seinen Reben. Und er möchte unsere Herzen mit Hoffnung und Mut erfüllen, wie auch der Weinstock seine Reben mit Wasser und Nährstoffen aus dem Boden versorgt. Dazu passend heißt es im aktuellen Wochenlied so schön:

„Gott gab uns Atem, damit wir Leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehen. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehen.“ (EG 432)

 

Wer also auf die Gemeinschaft mit Jesus und den Menschen vertraut, der darf hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn der Apostel Paulus spricht uns durch den Wochenspruch zu: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." (2. Kor. 5,17)

 

Gemeinsam schaffen wir das! Gemeinsam mit Jesus und unseren Mitmenschen dürfen wir uns auf die Zukunft freuen, die Gott uns verheißt. Lassen wir uns von Gottes Frieden berühren und gehen wir zuversichtlich in die kommende Woche, durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

 

Fühlt Euch gesegnet mit Worten aus dem Wochenpsalm:

 

„Lobet, ihr Völker, unsern Gott. Lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.“ (Ps. 66, 8-9)

 

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag und sende Euch viele liebe Grüße nach Hause!

 

Euer Lektor, Julian Jöri

 

 

Predigtgedanken von Pfarrer Thomas Körner zum Sonntag "Misericordias Domini" (26.04.2020)

Predigttext des Sonntags: 1. Petr 2,21b–25:

Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen. 
 
Manchmal wünsche ich mir das: einen/eine, der/die für mich sorgt, der/die mir den rechten Weg zeigt und mich unbeschadet durch Gefahren führt, einen/eine, der/die meinen Durst nach Leben stillt und nach mir sucht, wenn ich verloren gehe… 
 
Vielleicht auch manchmal jemanden, der/die einfach nur da ist. Und mit seiner/ihrer Anwesenheit Normalität vermittelt. Dass alles in Ordnung ist. Wie Meister Eder für den Pumuckl. Oder wie eine Mama für ihr Kind… Damals, als Kind, wenn da die Mama oder der Papa irgendwo im Haus irgendetwas herumwerkelten, ganz egal was es war, dann reichte das schon. Sie mussten nicht mit mir spielen. Hauptsache sie waren da und machten irgendetwas in meiner Nähe. Ich musste sie nicht sehen. Hauptsache, sie waren so nahe, dass ich sie noch irgendwie fühlen konnte. Und die Welt war in Ordnung. 
 
Wir alle müssen unsere (Lebens-)wege gehen. Da ist es gut, wenn jemand mitgeht. Ein Hirte/eine Hirtin meines Vertrauens. Ein Gott meines Vertrauens. Und am besten auch noch der eine oder andere Mensch meines Vertrauens. Der Hirte/die Hirtin sorgt dafür, dass die Herde frisches Wasser und Gras findet und sicher weiden kann – und die Schafe wissen, wo sie hingehören und wo sie sicher sind.  Ich, Mensch, kann beides sein, je nach Situation, einmal ein Schaf, einmal selber der Hirte/die Hirtin. Wie das geht, beides nämlich, Schaf zu sein, und dann wieder Hirte/Hirtin, das zeigt Gott uns vor:  Seine Schafe dürfen wir sein, uns vertrauend führen lassen, im Wissen: Gott gibt das Verlorene nicht auf, jeder/jede einzelne zählt.  Hirten dürfen und sollen wir aber auch sein: das Gute für die ganze Herde suchen, sie nicht zur Schlachtbank führen, sondern sie weiden.  
 
Wir alle müssen unsere (Lebens-)wege gehen. Wie schwierig es ist, den richtigen Weg einzuschlagen, wird gerade in Zeiten wie der Coronakrise sichtbar. Da wird schnell der Ruf nach einem Hirten laut, der führt und aus der Krise lenkt. Und die verängstigte Herde gibt prompt ab und lässt sich führen.  
 
Das Bild vom Hirten und den Schafen darf deshalb nicht einseitig werden; auch die Schafe sind gefordert. Nur ein dummes Schaf rennt jedem nach, der einen Hirtenstab schwingt.  
 
Wer ist ein guter Hirte?  Wer ist ein schlechter Hirte? 
 
Als Schafe Gottes sind wir dazu angehalten, all die Hirten dieser Welt kritisch an der Hirtenschaft Jesu zu prüfen. Er ist der gute Hirte. Er gibt kein Schaf verloren. Nur dort, wo jeder/jede einzelne zählt, ist Gottes Herde. Solidarität unter den Schafen gilt allen und macht nicht an den Weidezäunen Halt. Darin erkennt man den guten Hirten. 
 
Jesus ist der gute Hirte. Er geht unsere Wege mit. Bei ihm geht kein Schaf verloren. Er lässt seine Herde nicht im Stich. Jesus, der gute Hirte – das bedeutet nicht, dass er vor allen Gefahren behütet, sondern dass er trotz aller Gefahren den gemeinsamen Weg nicht verlässt – mit ihm durch alle Krisen. Er ist der, dessen Stimme die Schafe kennen und der einfach da ist und werkelt, wie die Mama oder der Papa und spüren lässt: du kannst in aller Ruhe sein.

Amen

Predigtgedanken von Pfarrerin Astrid Körner zum Sonntag "Quasimodogeniti" (19.04.2020)

Liebe Gemeinde! 


Heute hätten wir eigentlich unser Tauferinnerungsfest gefeiert. Ein bunter Regenbogen mit den Taufsprüchen der Kinder spannt sich dann immer wie ein Himmel voller Zuspruch über uns auf. Heuer ist alles anders. Das Tauferinnerungsfest haben wir auf September verschoben. Derzeit müssen wir jeden Tag, jede Woche neu ertasten, was geht, was als sinnvoll gilt, was gar nicht sein darf…. Alles neu und ungekannt. Wie die neugeborenen Kinder… sich der Welt und der Möglichkeiten behutsam und stückweise annähern. 
„Wie die neugeborenen Kinder…“ – Quasimodogeniti, so wird der heutige Sonntag, der erste Sonntag nach Ostern, der „weiße Sonntag“, genannt.  


“Quasi modo geniti infantes, rationabile sine dolo lac concupiscite.” Wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch. 
Was für ein Bild!! Wie die neugeborenen Kinder sollen wir uns fühlen, die begierig sind nach Muttermilch, auf dass sie vertrauend wachsen und groß werden können. 
Nie könnte ich den Moment vergessen, als ich meine neugeborenen Kinder jeweils zum ersten Mal in den Arm genommen habe.  Die Geburt – ein anstrengender, inniger, tiefgreifender und jedenfalls grenzüberschreitender Weg, den Mutter und Kind gemeinsam gehen. Vertrauendes Loslassen und mutiges Zulassen… so kann das neue Leben hervortreten in sein ganzes, eigenes, leibliches Sein. Unglaublich dann das Glück, dieses kleine Geschöpf nach dieser abenteuerlichen Reise im Licht der Welt begrüßen zu dürfen und es an die Brust zu nehmen, es wärmend, schützend zu umhüllen mit weichen Tüchern, liebevollen Händen, sanfter Stimme und aller Liebe der Welt.  


So ein kleiner neugeborener Mensch kommt mit so viel Vertrauen ins Gute auf die Welt.  Nie würde es zweifeln an der Fähigkeit seiner Mutter, es gut zu versorgen.  Nie würde es erst mal Beweise brauchen, ob der Weg auf Erden ein gangbarer ist.  Es ist da, um sich auf das Leben einzulassen – ohne Misstrauen. Ohne Angst. Voller Vertrauen. Was für ein Reichtum in so einem kleinen Kinderherzen steckt!! 
Neugeborene Kinder sind Traglinge. Das heißt, sie sind weder Nestflüchter noch Nesthocker. Sie sind Traglinge und wollen am liebsten den ganzen Tag herumgetragen werden. Nicht nur, weil sie den wippenden Bewegungsrhythmus aus ihrer vorgeburtlichen Zeit gewohnt sind, sondern auch, weil sie die Grenzen ihres Körpers spüren müssen. Sie brauchen eine Orientierung in der neuen Welt. Wenn sie keine Berührung spüren, sind sie verloren in der endlosen Weite. Um Vertrauen in sich selbst erleben, braucht es ein Gefühl für die eigenen Grenzen und den Kontakt zum anderen. Das gibt ihnen Form. 
Neugeborene Kinder können noch keine Zeitachse denken. Sie erleben jeden Moment ganz gegenwärtig. Deshalb kann man ihnen auch nicht abverlangen, dass sie verstehen können, wenn die Mama mal nicht da ist. Für ein Neugeborenes heißt das nicht: „Nur Geduld! Sie kommt ja eh bald wieder!“ Sondern: „Panik. Das ist mein Tod!“ Wenn ein neugeborenes Kind Angst vor Verlorenheit hat, dann ist das keine schlechte Laune, kein Trotzverhalten. Es ist Todesangst. Neugeborene erleben jeden Augenblick im Horizont der Ewigkeit. 
Wenn ich also nachdenke, was ein so kleiner Mensch in sich trägt an Selbstverständlichkeiten und auch an Bedürfnissen, dann finde ich, es gibt fast nichts Großartigeres, als unseren Glauben und unsere christliche Daseinshaltung mit der Verfasstheit eines neugeborenen Kindes zusammenzudenken. 
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29) …  Wie die neugeborenen Kinder sich auf die Welt einlassen im Vertrauen, dass Gott für uns sorgt.  Nicht abwägen. Nicht angstvoll in die Zukunft blicken. Nicht im Voraus alles wissen und können wollen, sondern gegenwärtig und zuversichtlich an Gottes Brust 
Geborgenheit, Nahrung und Schutz finden. Nur so kann Wachstum gelingen. Wachstum an Liebe, Hoffnung und Vertrauen. Auch an Mut und Mündigkeit. 


Was WIR brauchen: Einen Gott, der uns trägt. Nicht nur, damit wir über manch steinige Strecken besser drüberkommen, sondern auch um seine Berührung zu spüren, um uns selbst zu spüren. Getragen werden als Urform und Anfang aller menschlicher Leiblichkeit. Einfach schön.  Gerade jetzt – in einer Zeit der Verunsicherung und Unsicherheit, in einer Zeit, in der wir alle aus gewohnten Bezügen gefallen sind, ein Stück weit im luftleeren Raum schweben, nach Form und Richtungweisung suchen, ist dieses Gefühl des Getragensein durch alles hindurch eine bedeutsame Grunderfahrung! „Gott ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ (Ps 27,1) 
Was wir noch brauchen: Einen Gott, der DA ist. Nicht irgendwann, nicht später dann, nicht manchmal kurz. Sondern: Immer. Das ist: Leben im Horizont der Ewigkeit. Ich glaube nicht, dass das bedeutet, alles in der Weite der Unendlichkeit aufgehen zu lassen. Das kann manchmal auch gut und sinnvoll sein und den Dingen in eine gesunde Verhältnismäßigkeit setzen. Aber „Leben im Horizont der Ewigkeit“ heißt für mich: in jedem Augenblick das Ganze, das Vollkommene, das Einsein mit Gott und mit seiner ganzen Schöpfung zu erahnen. Und wenn es nur die Sehnsucht danach ist oder die drängende Frage nach Sinn und Ganzheit…. Ich glaube, auch dann ist Gott dabei. 


Ich danke meinen Kindern, die mir mit ihrer Geschöpflichkeit so viele himmlische Perspektiven eröffnen – immer wieder. 
Ich danke euch, liebe Gemeinde, dass wir miteinander auf dem Weg sind als Weggefährten und gefährtinnen, als Geschwister im Glauben und als Gemeinschaft in dieser Welt. Ja!! Als echte, angreifbare, spürbare, soziale Größe. Als Menschen, die zusammengehören – als ein Leib, als eine Gemeinde, als Kirche Jesu Christi.  
Martin Luther hat Wellen damit geschlagen, (zurecht) zu behaupten, dass die Menschen die Kirche nicht brauchen, um zu Gott zu finden. Ich glaube aber, dass Gott seine Kirche braucht, um Menschen zueinander zu bringen. Es scheint ihm dran zu liegen, dass wir einander nicht egal sind. Das macht ihn so sympathisch, finde ich. Und glaubwürdig.   


Habt einen schönen und gesegneten Sonntag! 


Gott segne euch und behüte euch!

Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig!

Gott erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden!


Amen 

 

 

Kurzer Impulsgedanke von Pfarrer Thomas Körner zum Ostermorgen (12.04.2020)

Karfreitag wirft uns die Frage vor den Kopf: „Über wie viele Leichen bin ich gegangen, wie viele Opfer habe ich hinterlassen für mich, für das Meine, für meinen Weg, für das, was ich wollte?“

 

Die Antwort liegt teils in uns (wenn wir ehrlich sind) und teils verhüllt in der Dunkelheit des frischen Grabes.

  

Der Ostermorgen wirft uns die Frage auf: „Wie viel hat man schon für uns geopfert? Was hat man nicht alles für uns gegeben, damit wir haben, damit wir unsern Weg gehen können, damit wir leben?“

 

Die Antwort des Engels aus dem leeren Grab ist: „Ganz viel. Von all denen, die dich lieben. Und der größte Zuspruch kommt von Gott: Für dich, Mensch, würd ich alles opfern. Sogar mein Gottsein. Sogar mich selbst.“

 

Auf das Leben. Gesegnete Ostern.

 

Euer Pfarrer Thomas Körner

Predigtgedanken von Pfarrerin Astrid Körner zum Karfreitag (10.04.2020)

Liebe Gemeinde!

 
Der Predigttext zum Karfreitag findet sich heuer im 2. Korintherbrief im 5. Kapitel, die Verse 19-21: 
Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. 


Mit gewichtigen Worten … „Versöhnung“, „Gott“ und „die Welt“…. und theologisch formvollendet bringt Paulus seine Karfreitagsbotschaft auf den Punkt. Kurzum: Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber. Punkt. 
Ich schaffe es nicht, hier einen Punkt zu setzen. Ganz im Gegenteil: Der Karfreitag stellt mich immer wieder vor die großen, offenen Fragen… 
Versöhnung?  Gott versöhnte.  Gehören zu einer Versöhnung nicht mindestens zwei aktive Seiten?  Das griechische Wort für „versöhnen“, katalassein, heißt im Wortsinn: „von oben vertauschen“. Gott tauscht Sünde gegen Gerechtigkeit. An sich ja eine vielversprechende Idee… Aber… wer sind wir in diesem Tauschgeschäft?  Haben wir das gewollt?  Haben wir jemals eingewilligt in diese Vorgehensweise?  Und warum war zu dieser Versöhnung gerade dieser Tod Jesu notwendig?  
Im Johannesevangelium steht eines der berühmten letzten Worte Jesu: „Es ist vollbracht.“ Was ist denn um Gottes Willen (!) vollbracht? Können das die letzten Worte eines sterbenden am Kreuz sein? Eines auch für damalige Verhältnisse jungen Mannes, der noch nicht sterben müsste?  
Hätte Gott mich gefragt, ich hätte nicht mein OK zu dieser Versöhnungstat gegeben!  Ich hätte Jesus gerne noch länger zugehört. Ich hätte ihn gerne noch länger behalten als Freund, als Begleiter, als weisen Ratgeber. Ich hätte ihn auch gerne einmal als Vater seiner Kinder erlebt, auch in so manchen Stresssituationen beim Jause Herrichten in der Früh…  und als alten Mann, der auf sein Leben und verschiedene Zeit und Wenden zurückschauen kann. Vielleicht auch als einen, der mal einen Rollator braucht oder so… Und unbedingt auch als einen, der sich mal schuldig gemacht hat.  Ich hätte jedenfalls gerne noch mehr erlebt mit ihm, wäre mit ihm gerne durch die Dörfer und Landstriche gezogen, um Menschen ein neues Vertrauen in ihren Gott zu schenken.  
Wie soll man denn da Vertrauen fassen – bei dieser skurrilen Versöhnungstat?  Die liegt ja nicht auf der Hand.


Ich würde Gott gerne fragen:  
„Warum bist du, Gott, Menschgewordener, uns nur so kurz erhalten geblieben?“  „Warum musstest du auf diese Weise sterben?“ „Was hätten wir anders machen können?“ „Wäre der Jesu Tod auch vermeidbar gewesen?“ „Was wäre gewesen, wenn es anders gekommen wäre?“ 
Vielleicht hätte wirklich alles auch anders kommen können. Ich glaube, gerade darin hat sich die Mitmenschlichkeit Gottes am Karfreitag erwiesen. Dass Gott einen Tod gestorben ist, sinnlos, unschuldig zum Tode verurteilt wie Tausende damals auch – Männer, Frauen und Kinder sind am Kreuz gestorben. Jesus erlebt auch ein solch unfaires Sterben als Folge von Zufall, Verrat, Willkür und Hass. Da ist kein Sinn drin in diesem Mord. 
Gestern vor genau 75 Jahren ist Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordert worden. Was mag er sich alles erhofft und ersehnt haben in der Zeit seiner Haft? Wie groß war seine Angst vor dem Todesurteil? Hatte er die Gewissheit, dass alles gut ausgehen wird? Hatte sein Tod auch nur irgendeinen Sinn? 
Mag Paulus auch auf alles seine Antworten gefunden haben, der Karfreitag spricht eine andere Sprache. Am Kreuz von Golgatha begegnet uns Gott im fragenden, zweifelnden, leidend schreienden, dürstenden Menschen. Gott beweist Haltung im Angesicht des Todes. Er nimmt sich nicht aus dem Spiel. Er umgeht nicht das finsterste Kapitel. Gott beweist Haltung, indem er allen Halt verliert. Er wird so sehr Mensch, dass er verzweifelt fragt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ 
Deshalb ist der Karfreitag so wichtig!! Mit ihm nimmt Gott Anteil an all unseren offenen Fragen, an unseren Unsicherheiten, an unseren Zweifeln, am Leid Unschuldiger und auch am Leid Schuldiggewordener (Lk 23,42). Mit dem Karfreitag lässt sich Gott selbst ein auf die schmerzlich unbeantwortete Frage nach dem Sinn.  


Der Karfreitag gewinnt gerade ohne Ostern am Horizont an Tiefe. Aber mit Ostern an Tragkraft. So braucht es den Kreuzestod Jesu unbedingt auch ganz alleine in seiner großen Perspektivlosigkeit, als Gottes Mitgefühl mit seiner Schöpfung. Als Versöhnungsangebot mit der Welt.  
Und… vielleicht braucht es zur Versöhnung doch nicht beide Seiten. Vielleicht braucht es nur den einen, der es wagt, aus einem Muster auszubrechen und es anders zu machen. Einer, der sich über den Konflikt erhebt, indem er sich erniedrigt, alles auf sich zu nehmen und Frieden anzubieten. Einen, der nichts für sich braucht, sondern alles zu geben bereit ist. Einen, der bereit ist, sich auf die Grenzen des anderen voll einzulassen und um nichts besser zu sein. Einer, der solidarisch ist, ohne dabei die eigene Haut zu retten. Das ist ein Angebot! 


Wenn dann auch im anderen ein Keim des Vertrauens aufgeht, dann kann Versöhnung gelingen. 
Der Karfreitag ist nicht der Tag der großen Antworten, sondern der vielen offenen Fragen zu den Leiden unserer Welt. Fragen, die uns selber betreffen, und auch Fragen der anderen, die kein oder wenig Gehör bekommen. Die Corona-Krise steckt im Moment den ganzen Horizont ab. Zahlen, Fakten, Kurven, Live-Style in Zeiten der Ausgangssperre, Pressekonferenzen, Weltwirtschaft, globaler Vergleich,….  
Es gibt immer noch so viele Menschen, die außerhalb dieses Koordinatensystems stehen. Die in keiner Kurve erfasst sind. Weil sie zwischen den Staaten ohne Heimat und Aufnahme dem unkontrollierten Elend ausgeliefert sind.


Ich hoffe auf eine Solidarität, die nicht nur eine Herdenimmunität gegen Viren ermöglicht, sondern auch ein Herdengefühl mit allen Notleidenden. Auf dass wir in dieser – unserer – Not nicht auch noch immun werden gegen das Leid anderer.


Amen 
 
Euch allen einen besinnlichen Karfreitag! 
 
P.S.: … und hier noch ein Gedicht von Rudolf Otto Wiemar:


Keins seiner Worte glaubte ich, hätte er nicht geschrieen: Gott warum hast du mich verlassen. Das ist mein Wort, das Wort der untersten Menschen. Und weil er selber so weit unten war, ein Mensch, der „warum“ schreit und schreit „verlassen“, deshalb könnte man auch die anderen Worte, die von weiter oben, vielleicht ihm glauben.

Predigtgedanken von Lektor Julian Jöri zum Palmsonntag (05.04.2020)

 

Liebe Gemeinde!

 

Es ist still geworden im Stadtpark. Keine Spaziergänger bewegen sich mehr um die Kirche, keine Radfahrer queren mehr den Park. Die Orgel schweigt und von der Kanzel ertönt kein Wort. Niemand scheint sich mehr an diesen Ort zu verirren. Ja, scheinbar steht die Zeit still.

Was bleibt von den Worten, die in der Kirche gepredigt wurden? Was bleibt von den schönen Festen und den strahlenden Kinderaugen? Was bleibt von den Samen, die gesät wurden? War denn alles vergeblich?

 

Heute ist Palmsonntag. Pessimismus und Melancholie spielen heute keine Rolle, denn wir haben Grund zum Feiern! Jesus zieht in Jerusalem ein! Wie ein König wird er von den Menschen in der Stadt empfangen. Palmzweige werden voller Freude gewedelt und Festtagsstimmung breitet sich aus. Jesus wird König, das ist der Plan.

Doch dieses Bild trügt. Nichts ist, wie es scheint. Heute bejubelt, morgen fallen gelassen: der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag steht am Anfang der Karwoche. Wenig später schlagen sie ihn ans Kreuz. Kein Jubel ertönt mehr. Kein Hoffnungsschimmer ist mehr zu sehen. War das Leben Jesu denn vergeblich? Waren all die Wundertaten und Heilungen umsonst? Was bleibt von seinem Wirken?

 

Es gibt Momente, in denen ist nichts, wie es scheint. Das ganze Land steht scheinbar still, aber leben wir nicht trotzdem weiter? In den Häusern, in den Wohnungen, in den Gärten? Da ist doch Bewegung, da ist Leben! Unsere Kirche im Stadtpark ist zwar menschenleer, aber steht unsere Gemeinde wirklich still? Fängt die Nächstenliebe nicht gerade jetzt besonders zum Keimen an?

 

Am Karfreitag erinnern wir uns daran: Jesus ist festgenagelt, kann sich am Kreuz kaum bewegen, muss Stillstand aushalten. Der Weg Jesu führt scheinbar in eine Einbahnstraße. Die Zukunft ist ungewiss. Aber es bleibt nicht so, wie es scheint. Stillstand ist möglich, Schmerzvolles kann ertragen werden, das Kreuz ist nicht die Endstation. Es geht weiter! Obwohl das vielleicht schwer zu glauben ist.

 

Finden wir uns in dieser Situation des Stillstandes vielleicht selbst wieder? Angesicht der vielen durchkreuzten Pläne, die unser Leben verändern? Haben wir mit all dem gerechnet? Dass Ärzte und Pflegekräfte am Limit sind? Dass der Druck in vielen Firmen größer wird? Dass die Gesellschaft zwischen Über- und Unterforderung hin- und hergerissen ist?

 

Auch die Karwoche läuft nicht so ab, wie sich’s die Menschen am Palmsonntag geträumt haben. Jesus hätte doch König werden und Jerusalem erlösen sollen! Das war doch der Plan! Aber Karfreitag durchkreuzte diese Pläne scheinbar. Ja scheinbar endet der Weg Jesu am Berg von Golgatha. Doch der Wochenspruch für die Karwoche sagt uns: „Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben."

 

Der Weg ins Dunkel, hinauf aufs Kreuz, kann zum Weg ins Licht werden. Das Kreuz wird zur Chance, zum Lichtblick, zum Hoffnungsschimmer! Denn erst durch den Stillstand wird Jesus zum Christus. Durch das Kreuz wird der Menschensohn zum König. Die Natur kennt dieses Phänomen: Aus Brachland wird ein blühendes Feld. Aus einem Weizenkorn wächst eine Pflanze. Aus Verzweiflung wird Hoffnung.

Vielleicht brauchen wir diesen Corona-Stillstand, um selbst wieder keimen zu können. Denn das Beschreiten von schweren Wegen bringt Menschen näher zusammen: Nachbarn fangen wieder an, sich gegenseitig zu helfen. Familien kommen sich wieder näher und versuchen GEMEINSAM Alltag zu leben. Junge Frauen und Männer helfen den Älteren beim Einkaufen.

Das Durchstehen von schweren Zeiten kann eine unglaublich fruchtbare Zeit sein, denn auch die Karwoche hat Menschen zusammengebracht: Am Gründonnerstag beim Abendmahl, am Karfreitag unterm Kreuz. Ja, es war eine schwere Zeit für die Jünger*innen und für Jesus selbst, doch aus dem Stillstand kommt Bewegung! Darum dürfen wir in Christus Trost finden und darauf vertrauen: Wir sind nicht allein. Jesus geht mit. Durch alle Schwierigkeiten und Herausforderungen. Und Ostern wird kommen!

 

Ich wünsche Euch einen schönen Palmsonntag, eine gesegnete Karwoche und viel Kraft für die kommenden Tage!

 

Fühlt Euch gesegnet mit Worten aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 5:

 

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

 

In Christus verbunden, Euer Lektor

Julian Jöri

 

Predigtgedanken von Pfarrerin Astrid Körner zum Sonntag "Judika" (29.03.2020)

 

Liebe Gemeinde!


Normalerweise freue ich mich, euch am Sonntag am Kirchentor mit einem herzlichen Gruß zu empfangen. Aus verschiedenen Himmelsrichtungen, aus verschiedenen privaten und beruflichen Situationen machen wir uns sonst auf den Weg in die Kirche, um dort miteinander zu beten, zu singen, zu hören und Gemeinschaft zu fühlen. Nichts bleibt vor der Kirchentüre zurück, wir kommen zusammen, so wie wir sind. Und doch ist alle Unterschiedlichkeit im Gottesdienst aufgehoben – im doppelten Sinn: zum einen „nicht mehr wichtig“, irgendwie „aufgelöst“, zum anderen „gut aufgehoben“, „vereint“, „ins Ganze fließend“.  
Jetzt ist wieder Sonntag. Aber ich sehe euch nicht von allen Seiten zum Kirchtor strömen, sondern schreibe meine Worte hinein in höchst unterschiedliche Lebenswelten. Manche von uns haben eine große Familie und sind regelrecht erschlagen von dieser Dichte und den pädagogischen Anforderungen rund um die Uhr. Manche haben es ruhiger. Zu ruhig vielleicht. Andere sind ganz allein. Ich würde euch gerne fragen, wie es euch geht in der jetzigen Situation.  
In meiner Familie kommen auch unterschiedliche Lebens- und Empfindungswelten zusammen. Da ist ein bald 6-Jähriger, der viel Beschäftigung braucht. Da sind zwei Volkschulkinder, die jede Menge Hausaufgaben bekommen, zudem auch den Musikschulunterricht über Audio-Aufnahmen und SkypeKanäle absolvieren. Auch vom Fußballverein gibt es Body-Work-out-Anleitungen. Das Trainung mussten wir zum Glück nicht ins Wohnzimmer verlagern. Da sind auch noch drei weitere Kinder – ein Kleinkind und zwei Jugendliche. Die Große steht kurz vor ihrer Matura und weiß nicht, in welcher Weise sie sich worauf vorbereiten soll. Ob die Matura überhaupt stattfinden wird, ist ungewiss. VERTRAUEN ist das Gebot der Stunde. „Morgen wissen wir vielleicht schon mehr...“ 
Manche arbeiten auf Hochtouren, im Gesundheitsdienst zum Beispiel. Andere befinden sich im Pausenmodus und genießen die Freiräume. Wieder andere bangen um ihre wirtschaftliche Existenz. Oder um einen geliebten Menschen, der zur Risikogruppe zählt. Manche fühlen sich gar nicht alt, aber nach Covid-19-Maßstäben sind sie es doch. Manche atmen auf. Andere kämpfen sich durch die Strukturlosigkeit des Stillstandes. Die Wahrnehmungen sind sehr unterschiedlich. Jeder geht hier einen eigenen Weg. VERTRAUEN ist das Gebot der Stunde. „Es wird alles gut…“ 
Darin liegt vielleicht auch eine elementare Erfahrung der Passion. Ein Wüstenweg. Eine Durststrecke. Einfach nur Stillstand. Oder die Ruhe vor dem Sturm? Menschenferne. Gottesnähe?  
Parks sind gesperrt. Spielplätze nicht mehr zugänglich. Ausflugsziele geschlossen.  
Unsere Kirche bleibt offen. Offen für alle, die sie gerne aufsuchen wollen. Anstelle des Kollektenkörbchens eine Flasche Desinfektionsmittel. Auch die Kirche – als Gebäude – soll derzeit Menschen nicht explizit zum Kommen animieren. Das heißt, es ist KEIN Bibelpfad aufgebaut. KEIN Fürbittentisch ist liebevoll vorbereitet. KEINE Gebetsstationen laden zum spirituellen Rundgang ein. KEINE erbaulichen oder tröstenden Lesegottesdienste liegen auf. Nein! Das würde den Maßnahmen, die derzeit gesetzt sind, entgegenlaufen. Auch wir als Kirche sind Teil dieser Welt und wollen Verantwortung übernehmen in aller Solidarität und Zuversicht. Unsere Kirche ist derzeit nicht Versammlungsort oder Pilgerstätte oder Erlebnisraum. Sie ist karg. Gerade aber in ihrer Kargheit mag ich sie im Moment am liebsten, unsere Kirche. Sie ist offen. Sie bietet vertrauten Schutzraum. Sie ist leise. Sie ist ehrlich. Ohne Schnick-Schnack. Ohne Aktionismus. Ohne Ablenkungsmanöver. Gottes Wort braucht keine Verpackung. 
Wir müssen hier nicht in einen Kreativitäts-Wettbewerb verfallen, wie wir angesichts der gesetzten Maßnahmen Menschen erreichen können, ihnen Gottes Wort zugänglich machen. Wir sind keine Dienstleister. Schon gar nicht für Gott. 
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Mt 20,28… so der Wochenspruch zum heutigen Sonntag. 
Wann, wenn nicht in der Passion, lernen wir zu begreifen, dass Gott zu uns kommt in die tiefste Einsamkeit hinein? Wann, wenn nicht in der Passion, fühlen wir hin zu einer Existenzform des vertrauenden Aushaltens und Innehaltens?  Wann, wenn nicht jetzt, in dieser Corona-Krise, erkennen wir, dass wir die Empfangenden sind – ganz ohne unser Tun?  
Wir als Institution Kirche sind aufgetragen, alle Versammlungen zu unterlassen und sie zu vermeiden. Wenn wir uns derzeit nicht im Kirchenraum zu einer Gemeinschaft zusammenfinden können, dann heißt das nicht, dass wir nicht weiterhin eine Gottesdienstgemeinde bleiben. Denn Gott tut seinen Dienst an uns gewiss. Dieses Vertrauen ist unerschütterlich. Es steht so fest und ehrlich und ungestylt – wie unsere Kirche im abgesperrten Park.  
In diesem Vertrauen sind wir verbunden, sind wir Gemeinschaft. Und so sind wir fern aller sonntäglichen Selbstvergewisserungen und ohne alle Versuche, Gott einfangen zu wollen in Worthülsen und Alternativprogrammen, in dieser unserer Vertrauensgemeinschaft mit all unseren unterschiedlichen Lebenswelten und Sorgen doch auch gut aufgehoben. 
 
Gott segne euch und behüte euch! Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig! Gott erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden! Amen 
 
Ich wünsche euch einen schönen, sonnigen Sonntag! 
 
Eure Astrid 
 
  
Ein kleines feines Gedicht von Kurt Marti schicke ich euch noch in diesen Sonntag hinein:


sie örtern

wir örtern

gott vergeblich mit wörtern

doch er ist

der geist und lässt sich nicht örtern

er ist das wort

und lässt sich nicht

wörtern 

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