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Liederliches zu Advent und Weihnachten PDF Drucken
Geschrieben von: Rudolf Waron   

Weihnachten steht vor der Tür. Macht hoch die Tür. Vielleicht höher, als die Erwartungen auf das, was kommt. Weihnachten muss nicht schön werden, es ist bereits schön. Es muss nicht geschenkt werden, wir wurden bereits beschenkt. Es muss nicht eitel Wonne herrschen, weil uns Frieden verheißen ist.

Kaum ein Fest, kaum eine Zeit, in der die eigenen Erwartungen und die erlebte Realität weiter auseinander klaffen als zu Advent und Weihnachten. Brich an, du schönes Morgenlicht, vom Frieden ist wenig zu spüren, wenn wir in die Städte gehen: Glühweintrunkene Gestalten bereits am frühen Nachmittag und verbissene Gesichter in den Einkaufszentren begegnen uns draußen, Stress und Zeitnot machen es uns in der eigenen Familie schwer und auch gute Freundinnen und Freunde haben keine Zeit zu einem gemütlichen Treffen. Mit Ernst, o Menschenkinder und mit starrer Miene bereiten wir uns – das Volk, das noch im Finstern wandelt – vor. Wie anders wünschen sich viele diese Zeit: Fröhlich soll mein Herze springen, nicht meine Beine oder mein Auto von Geschäft zu Geschäft.

Darum lassen wir uns die Frage gefallen: Wisst Ihr noch, wie es geschehen? Wissen wir noch, wie ER gekommen ist? Dein König kommt in niedern Hüllen, da macht es nichts, dass H&M ausverkauft ist.

Noch wenige Tage sind es bis Weihnachten. Und wir dürfen schon jetzt jeden Tag zuversichtlich sein: Dies ist der Tag, den Gott gemacht, jetzt und hier: Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit. Freu dich, Erd und Sternenzelt, über die liebevoll ausgesuchten Geschenke, aber besonders weil Gott in tiefster Nacht erschienen. Für uns alle, jetzt und hier. Gott sei Dank durch alle Welt, wenn am 24. Dezember alle Geschäfte zumachen.

Durch alle Welt? Und was ist mit ihm, der nicht O du fröhliche ist, dem die Stille Nacht zu still ist, weil keiner da ist. Der sich nicht fragt, Wie soll ich dich empfangen, sondern zunächst wen soll ich empfangen, weil ihr Kinderlein kommet nicht mehr. Die sind bei der Ex-Frau. Die Nacht ist vorgedrungen und nicht einmal das Stammbeisl hat offen, damit man nicht allein sein muss. „Tröstet, tröstet“, spricht der Herr – wer sagt es ihm?

Nun jauchzet all ihr Frommen und vergesst dabei die nicht, denen nicht zum Jauchzen zu Mute ist, denn Gottes Sohn ist kommen uns allen, nicht nur den heilen Familien, sondern auch den unheilen Lebensgeschichten. Deshalb ist er gekommen vom Himmel hoch und hat sich tief eingelassen in unser Leben. Es ist ein Ros entsprungen – machen wir es sichtbar und bringen wir es unter die Leute mitten im kalten Winter, einer kalten Zeit in einem kalten Land. Sagen und zeigen wir ihnen: Du, Kind, zu dieser heilgen Zeit gedenken wir auch an dein Leid.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

Herzlichst,
Ihr Pfr. Rudolf Waron